Architektur als Projekt. Visionäres und Ungebautes in der Geschichte der Architektur.

Architekturgeschichte wird im Allgemeinen anhand gebauter Objekte dargestellt. Aus den Bauwerken sprechen vermeintlich die Schöpfer, wie auch die Epochen, in denen jene entstanden unmittelbar zu uns. Die Geschichte der Architektur ist aus dieser Perspektive mehr oder minder die Verknüpfung von Objekten auf einer linearen Zeitachse an deren Beginn Bauten, wie die Pyramiden von Gizeh und an deren oberen Ende die Hochausbauten der Gegenwart stehen. Eine solche Betonung des faktisch Gebauten läuft Gefahr, die Rolle des Ungebauten in der Entwicklung der Architektur zu unterschätzen. Im Projekt stellt sich Architektur als Möglichkeitsform dar, als Vision, die die Potenziale eines Orts auslotet. Projekte, die niemals umgesetzt wurden, erzählen uns in diesem Sinne nicht weniger, sondern etwas anderes, als dies die gebauten Objekte, die diesem Ort realiter bestimmen, tun. Im Scheitern an realen Widerständen, seien sie nun technischer, finanzieller oder politischer Natur, bildet sich eine Geschichte ab, die uns wie ein Kommentar zur Realität erscheint.
In der Vorlesung werden einleitend einschlägige Begriffe (Utopie, Vision, Projekt etc.) erläutert sowie ausgewählte historische Beispiele vorgestellt. Schwerpunkte bilden utopisch-visionäre Konzepte im 20. Jahrhundert und Projekte in der Stadt Salzburg, die niemals realisiert wurden bilden.